Auszeichnung
Einen Preis für den KURIER:
Weil er für seine Leser kämpft
Preis für KURIER-Reporter
Kurier Reporter
Norbert Deul hielt die Laudatio auf das Recherche-Team.
Foto: Stickforth

Die Mieter-Schicksale von Oma Anni (93) und ihren Nachbarn ließen die KURIER-Reporter nicht mehr los: Seit einem halben Jahr berichten Marcus Böttcher und Cornelia Schmalenbach über den Miet-Hai von „Klein-Kleckersdorf“. Über diesen krassen Fall von Mieter-Verdrängung. Für ihre Artikel wurden sie nun geehrt. Oma Anni gratulierte bewegt.

Der KURIER ist eine Zeitung, die mehr als ein Beobachter sein will. Wir sehen uns als Anwalt der Leser – und deshalb haben wir für Oma Anni gekämpft. An ihrem 93. Geburtstag fand sie die Kündigung ihrer Wohnung im Briefkasten. Nach 64 Jahren in der Siedlung Am Steinberg in Tegel, liebevoll Klein-Kleckersdorf genannt. Sie soll raus – und nicht nur sie. Der Eigentümer will die Wohnungen und Häuser luxussanieren, teils vergrößern und mit Schnickschnack wie Wintergarten, Pool und Fußbodenheizung ausstatten. Zu Preisen, die sich die Ur-Mieter nicht im Ansatz leisten können. Doch wer sich wehrt, riskiert Ärger bis zur Kündigung – wegen Banalitäten wie einem Protest-Plakat.

Die Fronten zwischen Mietern und Eigentümer sind verhärtet, ja vergiftet. Das bekam auch der KURIER zu spüren, gegen den der Miethai juristisch vorging. Er versuchte zu erreichen, dass wir ihn nicht mehr „Miethai“ nennen dürfen. Die Kollegen Marcus Böttcher und Cornelia Schmalenbach berichteten weiter, bis die Politik endlich aufwachte. Im Bezirksamt und in der BVV wird jetzt um Milieu-Schutz für die fast 100 Jahre alte Siedlung gerungen. Das könnte die Sinnlos-Modernisierung abmildern, aber auch Einflussnahme auf die Mieten ermöglichen.

Dieser Kampf mag noch nicht zu Ende gekämpft sein, aber die „Schutzgemeinschaft für Wohnungseigentümer und Mieter“ war beeindruckt von der inzwischen zehnteiligen Artikelserie. Den KURIER-Reportern wurde der Verbraucherschutz-Award zuerkannt, den Marcus Böttcher gestern beim Bürgerschutz-Tag in der Urania entgegennahm. Veranstalter Norbert Deul begründete die Ehrung mit einem „herausragenden redaktionellen Einsatz für Omi Anni und die anderen betroffenen Mieter“. Er hob hervor, dass der KURIER ein Vorbild sei, das Ansporn für andere Medien geben könne.

Eine große Gruppe von Klein-Kleckersdorfern war gekommen und gratulierte: Der KURIER traue sich noch was, er kusche nicht vor „Heuschrecken“ und dem Druck von Millionen-Unternehmen. Oma Anni hatte Tränen der Rührung in den Augen. Sie kündigte an, weiter für ihre Siedlung zu kämpfen: „Zum Glück bin ich ja noch fit genug.“

Es wird sich zeigen, wie es weitergeht im Kiez. Zuletzt hatte es Streit um die drohende Zerstörung eines Teichs samt Frosch-Biotop gegeben, zudem Ärger wegen eines Aufstellers mit einer KURIER-Schlagzeile. Wir bleiben dran – in diesem und in anderen Fällen. MOW

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